Sterben und Trauer: Kindern und Jugendlichen fehlt die Begleitung

Wenn die Oma stirbt, sind auch die Enkel betroffen. Die Malteser beklagen, dass es zu wenige Trauerangebote für Kinder gibt. Foto: Malteser
Wenn die Oma stirbt, sind auch die Enkel betroffen. Die Malteser beklagen, dass es zu wenige Trauerangebote für Kinder und Jugendliche gibt. Foto: Malteser

Jungen Menschen unter 18 Jahren fehlt es in Deutschland an altersgemäßer Begleitung, wenn sie selbst schwer erkrankt sind. Aber auch wenn Kinder und Jugendliche miterleben, wie Angehörige oder Freunde sterben und selbst trauern, stehen sie zu oft alleine da, beklagen die Malteser. Um das zu verhindern, bietet die Hilfsorganisation neue Online-Angebote an und freut sich über mehr Zulauf von jungen Ehrenamtlichen in der Hospizarbeit. 

„Wenn die Oma stirbt, sind auch die Enkel betroffen“, beschreibt Bernadette Groebe von der Malteser Fachstelle für Hospizarbeit, Palliativversorgung und Trauerbegleitung die Auswirkungen vom Tod eines nahestehenden Menschen nicht nur auf die Älteren, sondern auch die Jüngeren. „Aber für die Begleitung der Jugendlichen haben wir in Deutschland viel zu wenige junge Menschen, die als ehrenamtliche Hospizbegleiterin oder Hospizbegleiter den jungen Betroffenen auf Augenhöhe begegnen.“

„Before-I-die“-Wand
Deshalb hat die katholische Hilfsorganisation vor drei Jahren mit Hilfe des Bundesfamilienministeriums begonnen, junge Menschen für das Thema Sterben, Tod und Trauer zu gewinnen. Die Zahl der Ehrenamtlichen unter 30 Jahren in der Hospizarbeit der Malteser wuchs seitdem von 3,5 Prozent auf 5,5 Prozent. Diese Steigerung ist ein erster Fortschritt. Wichtiger aber: Es wurden viele Mittel und Wege probiert, sowohl mehr junge Erwachsene anzusprechen als sie auch nachhaltig für ein Ehrenamt in der Hospizarbeit zu interessieren. Kooperationen mit Hochschulen und Universitäten, wo Hospizarbeit als Wahlpflichtfach in bestimmten Studiengängen angeboten wird, oder öffentliche Auftritte mit der „Before-I-die“-Wand, bei denen Passanten über ihre Wünsche für das Leben vor dem Tod ins Gespräch kommen, sind zwei erfolgversprechende Beispiele. 

Neue Kanäle für junge Sterbende oder Trauernde
Wie die meisten jungen Menschen beziehen sterbende und trauernde unter ihnen ihr Wissen über neue oder andere Kanäle als ältere Menschen. „Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene kommunizieren digital zum Beispiel über Instagram, sie erzählen über soziale Medien ihre Geschichten oder lesen von Erfahrungen anderer. Und auch vor Ort verabreden sich Interessierte zwischen 16 und 30 Jahren zum Pizzaessen oder anderen kleinen Events, wo sie eben auch über Sterben, Tod und Trauer sprechen“, sagt Bernadette Groebe. Mit dem Online-Trauer-Angebot „Via. Trauer neu denken“ haben die Malteser zudem ein digitales Angebot geschaffen, wo sich Betroffene jeden Alters - auch anonym – über E-Mail mit einem Trauerberater austauschen können.

Angebote für die Älteren
Für die Älteren ist das Angebot hospizlicher Begleitung umfangreicher. Ambulante und stationäre Hospizarbeit greifen dazu nach wie vor auf einen großen Pool Ehrenamtlicher über 50 Jahre zu. „Hospizarbeit kann mehr als nur eine Hand halten“, sagt Expertin Groebe und greift das Motto „Hospizarbeit kann mehr“ des diesjährigen Hospiztages auf. „Hand halten bedeutet heute ‚da‘ zu sein, sowohl für den Sterbenden oder Trauernden als auch dessen Angehörige. Der Zeitraum der Begleitung wird länger, die seelische Entlastung für alle in der Familie oder im Freundeskreis spürbarer. Das Zusammenspiel in der palliativen Versorgung durch Medizin, Pflege und soziale Dienste erlaubt es mehr Menschen, in den eigenen vier Wänden in Würde und im gewünschten Kreis zu sterben. Zahlreiche Trauerangebote wie Gesprächskreise, Zwiegespräche, Wandern oder Kochen für Trauernde helfen, mit dem Verlust besser zurechtzukommen.“

Informationen zu den Trauerangeboten der Malteser in der Diözese Mainz finden Sie hier.


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